Samstag, 22. November 2014

REVIEW: Kool Savas – Märtyrer: Macht den Thron frei...?



78 Jahre. Über 28.000 Tage, mehr als 680.000 Stunden. Eine unfassbare Zeitspanne musste Deutschland seit Beendigung der Monarchie im Jahre 1918 darauf warten, wieder einen König zu stellen. Bis eben im Jahr 1996 ein gewisser Savas Yurderi, später besser bekannt als KKS alias King Kool Savas, erstmalig auf Platte seine Thronansprüche verabschiedete. Damals noch auf englisch und als kleines, namenloses Feature bei Cheeba Gardens „Alea Lacta Est“-Tape. 18 Jahre, 3 Alben, zahllose EPs, Features, Mixtapes und ein Urteil später finden sich mit Selfmade Records und einem gewissen Kollegah die ersten Rapper, die sich gegen die Krone auflehnen wollen. Mehr als erfolgreich, so gilt nach zwar erfolgreichen, doch fragwürdig aufgenommenen Ausflügen Savas als Mainstream-Opfer, der den Vertrag mit dem Chart-Teufel in Form einer Kollabo-Platte mit Xavier Naidoo unterschrieb. Was folgt, ist ein Rap-Jahr 2014, welches die King-Frage allgegenwärtig erscheinen lässt. Der scheinbar einzige Rapper Deutschlands, der kein Statement abgibt – Der Titelträger selbst. Der saß wie ein kleiner, glücklicher Junge in seiner Karre, quer durch Süd-, Nord- oder weiß-Gott-was-für-ein-Amerika düsend, weit entfernt jedenfalls vom Social-Media-Land, in dem die Revolution sich formte, gedieh und ausbrach in Form eines Fitness- und Kaufwahns, der mit Gold-Auszeichnungen am laufenden Bande ausgezeichnet war. Der König wäre jedoch nicht der König, würde er nicht darauf scheißen, was das Fußvolk sagt. Und so schreiben wir den 14.August 2014, als jeder, willige Aufstand spontan und aus dem Nichts mit nur einer Zeile zerschlagen wird.

„Als wär' ich nur der King dieser Mukke … Ich bin diese Mukke!“
(„Matrix“)

Lange Vorrede – Wir kommen zu Deutschraps neuem Märyrer, Kool Savas. Das „King“ strich er zwar schon vor Jahren aus dem Namen, doch in der Musik scheint es immer geblieben zu sein, mag man nicht nur der Message des jetzt erschienen, vierten Langspielers des Aachener Glauben schenken, sondern auch die Ohren selbst aufmachen. Denn Savas scheint eben doch der Allrounder schlechthin zu sein. Nach der intensiven Epos-Platte „Aura“, der kommerziell bestverkauften Essah-Platte „Gespaltene Persönlichkeit“ in der Pop-Gegend geht es mit Märtyrer zurück zu den Wurzeln. Statt einem hungrigen, jungen MC, der nach oben, gegen die damalige Elite des Deutschrap, schießt, geht es ihm nun darum zu untermauern, wie weit doch alle anderen mittlerweile unter ihm sind und es sich auf dieser Position gemütlich machen können. Was Märtyrer ist? Battlerap. Feinster Battlerap. Durch und durch. Also fast. Wäre da nicht die lästigen Stimmen von Tim Bendzko und Alex Prince, die die interessante Gabe besitzen, jeden Rap-Song zerstören zu können, sei alles, was um ihre Hooks gebastelt wird, noch so gut. „Ich schlag mir selbst in die Fresse, bevor ihr es tut/ Setz' mich über euch hinweg, Raps Viadukt“ ist nicht nur die erste Zeile des Intros, sondern gibt auch den Takt für das ganze Album vor – So intensiv und kraftvoll wie eh und je präsentiert sich Savas hier, bevor Bendzko eine leise Hook säuselt. „Sie können diese Mukke nicht zerstören, solang ich hier stehe“, sagt er und meint eigentlich „Solang Savas hier steht und ich seinen Hofnarr spiele“. Denn wenn einer alle „Zweifel“ an seinem Titel ausräumen und „Bestätigung“ für alle Zweifler schaffen kann, dann KKS selbst. So, wie er es zweifelsohne tut auf gleichnamigen Track. Mit runtergepitchter Stimme verkündet Laas Unltd., der King hätte seinen Style endgültig verloren – Bis dieser raptechnisch alles niederreißt und der Zweifler plötzlich zum größten Fan wird. „Heute so, morgen so“ - Simpler und besser wurde Deutschrap in diesem Jahr nie beschrieben.

„Rekordhalter Essah hat 'n' Traum wie Martin Luther King/
Leb' ihn aus, wenn die Partitur erklingt/“
(„Zweifel und Bestätigung“)


Technisch und musikalisch ist Essah wieder auf altem Höchstlevel angekommen. Man kann behaupten, was man möchte. Dass die Mukke zu weichgespült wäre. Man kann sagen, die Lines sind teilweise „krebserregend wie Shrimps“ und mindestens genauso einfallslos. Doch Kool Savas zaubert eine Energie auf Beats, wie es kein anderer in Deutschland kann. Selbst mit zwielichtigen Entscheidungen, wie beispielsweise zwischen 12 Tracks krassestem Battlerap plötzlich Mutti eine „Anekdote aus Istanbul“ erzählen zu lassen, kann man dies nicht bestreiten und nur staunen über die Klarheit und Deutlichkeit eines Rappers, der selbst in Doubletime noch verständlicher und präziser spittet als der Großteil der Kollegen. Das Soundbild ist damit auch perfekt abgestimmt auf den Battle-Charakter der gesamten Platte und perfektioniert das Song-Konzept eines Essahs 2014, der das Rad nicht neu erfindet, aber es genauso erfolgreich und vielleicht sogar besser weiterspinnt, als er es je konnte. Lediglich der Mixtape-Charakter durch die verschiedenen Produzenten ist eventuell ankreidbar, vor allem die Übergänge, die teils sehr abrupt ankommen.

„Du bist mit dem falschen Fuß aufgestanden wie Oscar Pistorius!“
(„Es ist wahr/ S A zu dem V“)


Was soll man abschließend noch sagen? Man merkt vielleicht, dass man nicht gerade kleinkariert an „Märtyrer“ gehen muss, um Fehler zu finden. Anekdoten mit Kinderhumor, Gesangs-Hooks, Kinderlieder als Intro verwenden – Es wäre legitim zu behaupten, das störe das Gesamtbild. Was man hierbei schnell übersieht ist allerdings, auf was für einem Level man das ankreidet. Kool Savas rappt in einer ganz anderen Liga, um wirklich schlechte Alben überhaupt produzieren zu können. So bleibt man vielleicht nicht im Gedanken zurück, das Album des Jahres gehört zu haben, aber dennoch mit der Erkenntnis, dass Könige auch 2014 nicht sehr leicht zu stürzen sind. „Macht den Thron frei, der King ist back...“

Wertung: 5 von 6 Sternen

Bester Track der Platte: Zweifel und Bestätigung  

Dienstag, 7. Oktober 2014

INTERVIEW: Cripe ist "Big in L.A.".


Cripe ist „Big in L.A.“. Ob er wirklich so bekannt in den Staaten wird, darf man gespannt die nächsten Wochen noch im Nachmittagsprogramm von VOX betrachten. In der gleichnamigen Doku-Soap werden Nachwuchsrapper unter Aufsicht vom selbsternannten „Breakdance-DJ“ MC Fitti zu den vielleicht nächsten großen Stars am Rap-Himmel erzogen. Zwischen Sonne, Meer und Freestyle-Battles lebt sich der HipHop nicht nur besser als im verschlafenen Bayern, sondern es lässt sich wohl auch eine klischeemäßigere Sendung zum Thema Rap-Musik produzieren. So oder so ähnlich klingt zumindest die Meinung der beinah ganzen Szene nach Ausstrahlung der ersten Folge.

Auch Manuel, Rappername "Cripe", hat von der Produktionsfirma damals eine Einladung in die Stadt der Engel erhalten. Nicht grundlos – Seit Jahren beschäftigt er sich nunmehr mit dem Genre,  hat mittlerweile bereits 2 Platten vorzuweisen. Mit "Let the good times roll" aus dem Jahr 2013 ist die letzte sogar noch gar nicht so lang her. Das passende Studio ist in Bamberg gefunden, das Umfeld mit dem Label 45 Madnezz rund um Geschäftsführer und Rapper Filah perfekt - Jetzt soll endlich auch der große Durchbruch gelingen. Wir haben mit ihm über seine musikalische Vergangenheit gesprochen und darüber, wie viel seiner Zukunft sich eventuell wirklich auf der anderen Seite des Ozeans abspielen wird.


Du sagst von dir selbst, dein Rap wäre beeinflusst von verschiedensten Situationen deines Lebens. Inwieweit passen da Teilnahmen an Battle-Turnieren wie dem VBT oder dem JBB dazu?

Das VBT war einfach mal eine gute Abwechslung zu meinen normalen Songs. Ob das so direkt auf meine Schiene passt, war nie die Frage. Ich denke der Anreiz bei dem Ganzen ist einfach dieser imaginäre Schwanzvergleich … Typisches Wettbewerbsverhalten. In mein Gesamtbild passt sowas sicher nicht rein, aber ein wenig Abwechslung hat noch nie geschadet.

Würdest du die Qualifikationen rückblickend als Fehler betrachten?

Auf keinen Fall. Ich hatte immer großen Spaß an den Battles. Ob ich jetzt gewonnen oder verloren habe, war nicht so ausschlaggebend. Man konnte einfach mal im direkten Vergleich zeigen, was man so drauf hat. Bereuen tu ich es nicht, aktuell würde ich aber auch nicht mehr teilnehmen.

Kommen wir dann zu deiner musikalischeren Seite: 2011 hast du den Song „Schreie zu Gott“ veröffentlicht, inklusive einem Feature von „Das W“. Wie kam diese Zusammenarbeit mit dem GWS-Mitglied zustande? Habt ihr heute noch Kontakt?

Ach, wir haben herausgefunden, dass er mal in der Stadt wohnte, wo ich aufwuchs. Zum Zeitpunkt des Songs lebte er ja auch noch hier in Bayern. Ich war eigentlich schon sehr lange Fan seiner Musik und habe dann irgendwann angefangen, ihn mit Anfragen zu bombadieren. Irgendwann bin ich ihm, denke ich, so auf den Sack gegangen das er zustimmte. Glaube mein Part bei der Sache war auch nicht so schlecht. Persönlichen Kontakt hab ich gerade nicht mehr zu Ihm. Streit oder ähnliches herrscht allerdings nicht.

Du hast früher ja auch beinah ausschließlich mit deinem Kumpel Cham zusammen gerappt und nennst ihn auch als denjenigen, der dich zum HipHop machen gebracht hat. In welche Kategorie würdest du deine Songs von damals selbst einordnen?

Cham ist in meiner Bio wohl der wichtigste Mensch. Ohne ihn wär ich eventuell gar nicht dazu gekommen, zu rappen. Die Songs von damals waren sicher nicht die besten, ob jetzt qualitativ oder sonst was. Allerdings muss ich dazu sagen … der Spaß stand immer im Vordergrund, und wir hatten absolut geile Zeiten zusammen! Den Kontakt pflege ich auch bis heute. Ich bin mir auch zu 100% sicher, dass wir auch mal wieder nen Song zu zweit kicken werden!

Mit ihm hattest du auch den ersten Live-Gig. Wie war es, das erste Mal mit deinem Kumpel live Selbstgeschriebenes zu performen?

Der Horror. Das erste Mal auf 'ner Bühne standen wir bei uns in der Schule. Da waren ziemlich viele Leute anwesend. Ich war so krass nervös, dass ich mir nicht mal mehr sicher war, wie mein Text ging, bevor es los ging! Auf der Bühne waren wir dann natürlich steif wie ein Stock. Die einzigen Bewegungen war das Richten der Hose und das Bewegen der Lippen. Das Feedback fiel trotzdem überragend aus. Danach waren wir die stolzesten Menschen der Stadt.

Aktuell stehst du bei 45 Madnezz unter Vertrag. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Geschäftsführer des ganzen Projekt's ist Filah. Ich kannte Ihn auch schon viel länger, noch bevor ich selbst mit der Musik angefangen hatte. Er hatte 2007 'nen Song der „Adrenalin“ hieß .. das war 'ne absolute Bombe! Von diesem Moment an wusste ich, dass ich mit ihm mehr machen möchte. Irgendwann hatte ich dann auch die entsprechenden „Skillz“, um mich mal langsam ranzutasten. Nach ein paar Jahren kam es dann endlich zu 'nem ersten gemeinsamen Song und auch zu gemeinsamen Gigs. Bei 45 Madnezz ansich bin ich noch gar nicht so lange... dürfte Anfang diesen Jahres gewesen sein glaub ich.

Mit Filah hattest du auch musikalisch bereits vor deiner Zeit beim Label zu tun. Ist da vielleicht eine gemeinsame Platte geplant, evtl. sogar ein Label-Sampler?

Wir werden jetzt zu erst einmal ein paar Singles unter die Leute bringen. Das wird quasi unser erster Versuch, die Musik mal zu verkaufen. Wenn da alles glatt läuft, steht musikmäßig alles offen. Wir arbeiten mit dem „Medj Sound“ Tonstudio in Bamberg zusammen, da wäre es theoretisch kein Problem, eine qualitativ hochwertige Platte zu produzieren. Wann das geschieht, steht allerdings noch in den Sternen.

Kommen wir in die Gegenwart: Aktuell nimmst du an der VOX-TV-Show „Big in L.A.“ teil. Wie kamst du auf die Idee, bei der Show mitzumachen?

Ich wurde per Mail von der Produktionsfirma angeschrieben. Am Anfang dachte ich die wollen mich verarschen, bis aufeinmal wirklich ein Kamerateam bei mir stand. Das Konzept der Show hat mir ebenfalls sehr zugesagt. Das ist so eine Chance, die möchte ich mir auf keinen Fall nehmen lassen. Wie man merkt hatet einen dafür zwar die gesamte „Untergrundszene“ … aber ich sag dir ganz ehrlich - Jeder, oder fast jeder von denen, hätte das selbe getan. Ich bereue meine Entscheidung hier auch kein Stück und würde es jedes Mal wieder tun.

MC Fitti und Cripe.
Host der Show ist Partyrapper MC Fitti, ein durchaus polarisierender Charakter in der hiesigen Rap-Landschaft. Hattest du in der Produktionszeit häufig mit ihm zu tun?Wie hast du den Künstler kennengelernt?

Während der Zeit in LA hatte man natürlich täglichen Kontakt, da er ja auch so gut wie überall dabei ist oder war. Ich persönlich durfte MC Fitti als sehr bodenständigen und humorvollen Menschen kennen lernen. Mir würde jetzt kein schlechtes Wort zu ihm als Mensch einfallen. Sehr cooler, lockerer und vor allem ECHTER Typ!

Warst du dir während der Produktion darüber im Klaren, wie die Show konzeptionell aussehen wird, oder hattest du dir von der ersten Episode etwas ganz anderes erwartet? Wie hat dir die Darstellung von dir als Cripe gefallen?

Das Grundgerüst der Show war mir natürlich klar. Fand die Idee auch super! Die erste Show hab ich zusammen mit meiner Freundin, entspannt bei mir zuhause, genossen. Am Ende war ich doch sehr überrascht, wie positiv das Ganze ist. Mit der Darstellung meines Charakters bin ich sehr zufrieden. An der ganzen Sache ist aber auch nichts verstellt, also ich bin in echt genauso wie in der Show. Deshalb war das dann auch weniger überraschend für mich, wie ich präsentiert wurde.

Hat dir das Endergebnis denn selbst gefallen? Was hast du aus der Zeit in Los Angeles mitgenommen?

Vom Endergebnis war ich, wie gesagt, positiv überrascht! Sehr schöne Sache und sehr lustig gestaltet! Mich persönlich entertaint die Show sehr. Die Zeit in Los Angeles war für mich auf jeden Fall eine der Besten in meinem Leben! Ich durfte dort viele neue Eindrücke sammeln, eine Kultur kennen lernen, die mir bisher fremd war und bin mir sicher, dass ich diese Zeit nicht mehr vergessen werde. Alles in allem war es wie eine lange Klassenfahrt. Super Gemeinschaftsgefühl!

Wenn es wie eine kleine Klassenfahrt war, magst du also auch deine Mitstreiter. Wie hast du sie kennengelernt? Sind eventuell neue Freundschaften entstanden, die auch uns als Hörer einige neue Songs bieten könnte?

Die anderen 5 Jungs sind alle sehr korrekte Typen! Wir waren eigentlich von Anfang an schon ein geschlossener Kreis. Kontakt haben wir bis heute alle noch und sind auch sehr froh darüber. Das einzige traurige ist eben die Entfernung. Würde die Jungs auch ganz gern ab und zu mal treffen. Aber, da bin ich mir sicher, dass auch das noch klappt demnächst! Ob Musikalisch was gemeinsames kommt wissen wir noch nicht. Bock haben wir auf alle Fälle drauf!

Die Show hat aber auch durchaus polarisiert. Das Splash-Mag bezeichnete die Doku-Soap als eine „unfassbare Rap-Trottelsendung“. Was würdest du zu dieser Kritik sagen? Trifft dich das?

Ach, mir war von Anfang an bewusst, dass solche Reaktionen kommen werden. Da mach ich mir ehrlich gesagt nicht so viel draus. Das kann ja jeder sehen wie er will. Nahe geht mir sowas jedenfalls nicht und viel mit konstruktiver Kritik hat das auch nicht zu tun. Das beste Beispiel hierfür ist doch Frauenarzt mit seinem Roman über das Verkaufen der Szene. Im Endeffekt machen die ganzen anderen MC's aber nichts anderes.

Wie denkst du über die Szenekritik im Allgemeinen? Bereust du die Teilnahme an „Big in L.A.“?

Ich bereu die Teilnahme auf gar keinen Fall. Meinetwegen kann mich die Szene hassen wie sie will. Im Endeffekt bringt mir das nur noch mehr Aufmerksamkeit. Ich meine... das war doch sowieso klar, dass alles und jeder darauf los geht, ohne abzuwarten, wie sich das ganze Projekt entwickelt. Das zeugt für mich eigentlich nur von beschränkten Menschen mit mehr Vorurteilen als Verstand.

Wie viel kannst du über die Arbeit hinter den Kulissen von Big in L.A. Verraten?

Dazu kann ich leider nicht viel verraten. Was ich Dir sagen kann, ist, das wir hinter den Kulissen, wenn die Kameras aus waren, genau so waren, wie vor der laufenden Cam. Man gewöhnt sich sehr schnell an die Dreharbeiten und irgendwann vergisst man die Kameras so zu sagen.

Ich bedanke mich  bei Cripe für das schöne Interview und die aufschlussreichen Antworten. 



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Freitag, 12. September 2014

RAP-REVIEW: Ausgabe 6 - August 2014: Olson, Ahzumjot, Teesy


Rap ist, speziell in Deutschland, so facettenreich wie nie. Mehr als 10 neue Alben erwarten uns Monat für Monat - Und das nur über Labels, Free-Releases noch gar nicht gerechnet. Wer zu wenig Zeit oder Geld hat, sich jede LP zu kaufen, kann ab sofort auf mich vertrauen. Zumindest halbwegs. Ich gebe jeder Platte ihre gerechte Chance und eine Bewertung von 1 - 6 Sternen. Heute erwarten euch unter anderem die Platten von Olson, Ahzumjot und Teesy. 



Ahzumjot – Nix mehr egal (22.08.2014)

Ich weiß noch nicht ganz, was ich von „Nix mehr egal“ halten soll, als die ersten leisen Töne in E-Moll angestimmt werden. Ich habe Monty gehört und fand es weit weniger bewegend als all die Szenekritiker, die in dem jungen Alan Julian Asara-Taiwah den nächsten Großen des Geschäfts sahen. In erster Linie war da ein Kerl, der Bock hatte, Musik zu machen. Den Spaß hatte man genauso gemerkt wie die Unerfahrenheit und so blieb ich recht konsterniert zurück. Nach 4 Minuten „Wann bin ich dran“ weiß ich – Jetzt ist Ahzumjot wirklich nix mehr egal. Wie man Spaß an der Sache mit musikalischer Komplexität koppelt, zeigt das Album wie kein anderes dieses Jahr. Ahzumjot ist nämlich nicht nur „der coolste Motherfxcker“, sondern denkt zwischendurch eben auch über die Lage dieser Menschheit nach. Über eine Elterngeneration, die aus eigener Sicht ein „Schlaraffenland“ aufgebaut hat, welches ihre Kinder mit den Füßen treten. Eine Generation, deren Leben mehr an ein Popcorn-Teenmovie erinnert als an echte „Geschichte“. Eine Generation, die alles so akzeptiert und damit lebt, ohne es ändern zu wollen, weil der Drang nach Veränderung ja auch mit der Arbeit und dem Willen verbunden wäre. Nein, Ahzumjot hat sich keine leichte Aufgabe gesetzt, im Endeffekt das Grunddenken aller Menschen ändern zu wollen. Doch mit „Tag Eins“ ist doch schon mal ein Anfang gesetzt. Und wenn dieses Album nichts an der Einstellung eines Menschen ändern kann, kann das wohl keiner. Denn so leichtfüßig, wie Alan zwischen Gesellschaftskritik, popkulturellen Zitaten und seinem eigenen Lebensweg wechselt, lässt den Gedanken an das thematisch beste Album des Jahres nicht fern wirken. Vor allem beeindruckend – Wie man seine Biografie in „4 Minuten“ einpacken kann, ohne auch nur einen Hauch von Intensität zu verlieren und das musikalisch noch so perfekt zu verpacken. Pardon, wenn ich gezweifelt hab. Doch Ahzumjot ist einer der besten Newcomer, die dieses Land zu bieten hat. Und wenn ich mit dieser Behauptung doch ein wenig über das Ziel hinausschieße - „Sie fragen sich, was hinter dem Horizont wartet – Ich schick ihnen vielleicht mal ne Postkarte!“

Wertung: 5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Geschichte


Olson – Ballonherz (29.08.2014)


Vom eigens inszenierten Hollywood zum besten Moment des Films, mitten in Paris spielend. Wie man Ende August merken durfte, klingt so der Beginn eines absolut perfekten Albums. Und das trotz aller negativen Vorzeichen. Der kleine Rudeboy aus dem Jahr 2008, der ganz plötzlich seinen Labeldeal beim Major unterschreibt und plötzlich Pop-Schnulzen trällert. Aber mit wie viel Talent, Begeisterung und Detailliebe man das machen kann – Das konnte man auch erst beim fünften Durchgang von „James Dean“ zu Beginn der Promophase erahnen. Ballonherz ist kein Album, welches man einmal hört und weiß, wie unfassbar gut das produziert wirkt. Ballonherz wird von Mal zu Mal stärker. Aus der eigentlich homogen wirkenden Masse von Pop-Balladen, welche die Beatgees für den ehemaligen Rudeboy komponiert haben, hört man vorerst nämlich nur Bekanntes heraus, was ungleich ein wenig jugendlicher in 1er Jordan-Verpackung ankommt anstatt in auf dem Bolzplatz ausgelatschten FILA-Schuhen. Beim zweiten Mal hört man plötzlich das zeternde Echo in der Hook von „Mein kleines Hollywood“ oder „James Dean“, die sanfte, unfassbar angenehme Frauenstimme im Background der „Fernweh I“ -Bridge und und und. Zu viele Kleinigkeiten, Raffinessen und Schnörkel, um sie aufzählen zu können. So ein Niveau hält man nicht bei seinem Major-Debüt über Albumlänge. Das schafft keiner. So klingt der Megafon-Klang auf gleichnamigen Track eher unangenehm als gedankenverloren und die letzten, wunderschön formulierten Zeilen über den Sinn des Titels „Ballonherz“ sind weit weniger monumental eingesetzt, als sie es verlangen. Doch, wenn es dieser Olson ohne Roughness schafft, das Niveau eines Tracks wie „Der Beste Moment“ oder „Niemand > Wir“ bald auch komplett durchzuhalten, wird das nächste Olson-Album nicht weniger als das „Anti-XOXO“ für eine neue Generation.

Wertung: 5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Paris (Fernweh I)



Teesy – Glückrezepte (29.08.2014)


Es war der 20. September. Vor fast genau einem Jahr, als ein gewisser kanadischer Rapper verkündete, nichts mehr sei wie vorher. Nachträglich werden viele, namhafte Magazine diese Ansage Drakes mit Höchstwertungen und hohen Plätzen in ihren „Alben des Jahres“-Rankings belohnen. Zeitgleich in Deutschland: Ein gewisser Teesy, Newcomer und Chimperator-Signing, bezeichnet im Interview eben jenen Künstler als sein ganz großes Vorbild zur Veröffentlichung von „Fernweh“. Und fast genau ein Jahr nach diesem 20. September steht mit Glücksrezepte das Debütalbum des vielleicht ersten, wirklich guten RnB-HipHoppers Deutschlands in den Startlöchern. So melodisch, harmonisch und ruhig wie kein anderer präsentiert sich Teesy auf seinem ersten Chimp-Langspieler. Das Gefühl dafür, wann es cheesy genug ist, hat der Rapper hierbei aber wohl noch nicht gelernt. So ist ein Track wie „Märchen“ leider viel zu überladen und kitschig, als das es noch wirklich angenehm im Ohr nachklingen könnte. Auch kleine Zwischeneinlagen mit seinen Kollegen, um seine Besessenheit von der Musik nochmal hörbar zu unterstreichen, machen es nicht unbedingt besser. Und dennoch: In Teesy schlummert das größte Talent, dass Rap-Deutschland vielleicht besitzt. Ein Track wie Generation Maybe, in der die Generation kritisiert wird, die nicht einmal mehr in den Tag reinlebt, sondern von Minute zu Minute plant, sprüht nur so vor Coolness und Durchdachtheit. Mit clever gesetztem Echo in der Hook und gelungenem Megaloh-Feature zeigt der Track das ganze Potenzial eines Künstlers, der sich noch nicht so recht gefunden zu haben scheint und dem man nur raten kann, für seine nächste Platte einen roten Faden verfolgen sollte. Dann wird das auch was mit dem deutschen Drake.

Wertung: 3,5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Generation Maybe feat. Megaloh




Keine zweite Zeile wert


Alpa Gun – Geboren um zu sterben

BK & Pedaz – 100% Macher

Massiv – #M10

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Dienstag, 9. September 2014

Review: Fler – Neue Deutsche Welle 2: Die schlimmsten Zeilen

… Also eigentlich sollte das hier eine ganz normale Review zu Flers „Neue Deutsche Welle 2“, kurz NDW2, werden. Dann habe ich das Album gehört und nein, Frank White ist definitiv nicht mehr der Selbe wie damals, zu den guten alten CCN-Zeiten. Ob er das ernst meint oder nicht, lasse ich mal außen vor – Fakt ist, dieses Album ist nicht zu bewerten. Stattdessen habe ich mir die größten, lyrischen Meisterwerke herausgesucht, die so ein stabiler Deutscher auf Albumlänge kickt. Ich präsentiere – Die schlimmsten Zeilen von „NDW 2“.



„Check den Wetterbericht/
Der ist noch besser wie ich“
(„Im Auge des Sturms“)

„Ich bin dein Schutz Engel, ich nehm dich in Schutz, Engel/
Dank mir musst du dich nie wieder durch den Bus drängeln/"
(„Schutzengel“)

„Bei mir läuft, Junge..“ (circa 16-malige Wiederholung in der Hook.)
(„Businessman“)

„Komm, wir treffen uns MMA im Käfig/
mit dir kämpf ich aber nicht/“
(„Level“)

„Easy flizzy, busy busy, es geht BRR BRR BOOM!“

„Gehts um Connections, bin ich die deutsche Telekom“

„Wir haben hier den Fitnesstrend etabliert"
(„Gangster Rap 2.0“)

„Schau mich an, weiß, brutal und sexy/
Alleine auf der Straße, der deutsche Marshall Mathers/“

„Bei mir gibt’s kein Schaufensterbummel/
der weiße Tiger hier im Ausländerdschungel/“

„Ich weiß noch, damals musst ich klauen gehen bei Penny/
Heute habe ich eine Nanny/“
(„Kugelsicherer Jugendlicher“)

"Ich bin ein breiter Player wie Ronaldo/ [Anm. d. Red.: Ein Portugiese.]
Trage meine Sonnenbrille jeden Tag wie Heino/
Temperament wie ein Südländer/“
(„Stabiler DEUTSCHER“) [Anm. d. Red.: Versteht sich von selbst, oder?]

„Ghetto-Fleezy, Maskulizzy“
(„Weißer Tupac“)


Weitere Highlights: Der gesamte Track „Ihr habt uns so gemacht“ mit Silla, der komplett nach einem Softporno klingt und Sentence mit Autotune-Hook auf „Drogen, Nutten und Cash“. Falls ich das ein oder andere lyrische Highlight vergessen habe, die Liste ist via Facebook locker erweiterbar.

NDW 2 bei amazon: http://goo.gl/fKrFA2
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Freitag, 22. August 2014

Im Interview mit... Shawn The Savage Kid

1989. Im wichtigsten Jahr neuer, deutscher Geschichte geboren werden, doch einen namibischen Vater haben. Ein musikbegeisterter Freundeskreis des Elternhauses, doch mit 4 Jahren dem Fußballverein beitreten – wenn Shawn The Savage Kid von sich selbst behauptet, er sei „der gelebte Gegensatz“, dann trifft das doch schon mehr zu, als man erst vermuten könnte, vom so lieb aussehenden Regensburger. Wie groß diese Zwiespälte doch sitzen, kann man auf seiner neusten EP hören. Ich habe mit ihm über die „Egoprobleme“ EP und seine musikalische Vergangenheit gesprochen.


„Insgesamt dynamischer.“ So beschreibt es der 24-Jährige selbst, wenn man ihn auf seine Weiterentwicklung seit „Kennen wir uns?“ letztes Jahr anspricht. Vom ruhig-sanften Shawn zum deutlich facettenreicheren „Ich“ könnte man sagen – wortwörtlich, wenn man es thematisch sieht. So viele Persönlichkeiten schwirren im Kopf des Regensburgers herum, dass es für eine ganze EP gereicht hat – in der er zum ersten Mal auch für seine Solowerke selbst produziert. „Ich mache seit ca. 3 Jahren Beats, hauptsächlich zusammen mit den Jungs von Dusty Crates, aber auch für die RC Gäng.“ Mit letzterer Rap-Gruppe arbeitet er bereits seit 2010 zusammen. „Ausschließlich auf STSK Beats zu rappen wäre mir aber auf Dauer dann doch zu eintönig, deswegen bin ich ja auch jedem Produzenten gegenüber offen, am Besten ist es aber natürlich trotzdem, wenn alles innerhalb der (Beat)Familie bleibt“, weswegen auch unter anderem der alte Wegbegleiter Melik einige Beats beisteuerte.

Südafrika hat mir gezeigt, wie „tanzbar“ guter Rap sein kann.

Cover der aktuellen EP "Egoprobleme".
Bei iTunes erhältlich.
Zwischen Fußballplatz und Booth musste für den jungen Regensburger auch sonst noch Platz für die normalen Dinge im Leben eines Schülers gewesen sein. Denkt man. Doch anstatt wie jeder andere die Schulbank zu drücken, absolvierte Shawn lieber ein freiwilliges, soziales Jahr in Südafrika. Eine Zeit, die ihn mit Sicherheit trotz der für Deutsche undenkbaren Verhältnisse nicht nur persönlich geprägt hat. Für seine heutigen Raps hat er aber nichts mitgenommen aus der Region. „Ich hab damals ja noch auf Englisch gerappt – dazu hat sich natürlich mittlerweile fast alles geändert – Südafrika hat mir wahrscheinlich gezeigt, wie „tanzbar“ guter Rap sein kann. Hab dort echt ein paar gute, schnelle Partytracks gepumpt.“ Also – Woher denn dann die Inspirationsquelle, sich 2010 an Deutschrap zu wagen? Auf „Ellenbogen“, seinem Lieblingstrack auf der eigenen EP, da ihm „einfach immer noch zu vieles aus der Seele spricht“, erwähnt er RBA-Legende Hollywood Hank. Doch wie viel kann der Hardcore-Untergrundrapper schon mit dem locker leichten Shawn gemein haben? „Wir hatten in Regensburg ne Zeit wo wir fast ausschließlich sein Solotape und das Feature Album mit Fav gehört haben, alle Texte auswendig mitgrölen konnten und „akkend“ durch die Stadt gezogen sind.“

Scheiß auf Genregrenzen - Rap ist Rap.

Genregrenzen sprengen – Nicht der erste Rapper, der seit Casper ein ähnliches Ziel ausspricht und definiert. Doch wie äußert sich das auf einer sowieso schon so vielschichtigen EP wie „Egoprobleme“? Persönlich würde ich darauf mit „Die ungewöhnliche Feature-Wahl!“ antworten. Denn für die dritte Solo-Veröffentlichung des Rappers gibt’s nur einen Gast - Und das ist die Wienerin Soia. „Sie ist eine gute Freundin von Simp, der Beats bei DustyCrates macht (hat Ellenbogen mitproduziert) und sich darüber hinaus wieder für alle „Egoprobleme“ Videos verantwortlich zeigt. Soia ist in Sachen Musik einfach stadtbekannt. Mit ihr zusammenzuarbeiten war ein große Freude und hoffentlich auch nicht das letzte Mal.“

Shawn The Savage Kid präsentiert sich auf der neusten EP „Egoprobleme“ nicht nur menschlich sympathisch, sondern auch musikalisch begabt und thematisch vielschichtig. Wer die Reise durch den Kopf des angesehenen Showdown-Records-Signings ausschlägt, ist wohl selbst Schuld. Ich für meinen Teil bedanke mich bei Shawn für das Interview und hoffe in Zukunft von allen Egos mehr zu hören. 

Irgendwelche Schlussworte? Holt euch die EP, um ehrlich zu sein, wer auf guten Rap steht, wird sie feiern!



Ganzes Interview mit Shawn The Savage Kid nachlesen und herunterladen: Drive-Dokument 
Meine Review zur "Egoprobleme"-EP: http://goo.gl/4WyXho 

Sonntag, 3. August 2014

Rap-Review - Ausgabe 5 - Juli 2014: Kontra K, Sorgenkind, 4tune, Umse, Shawn The Savage Kid

Rap ist, speziell in Deutschland, so facettenreich wie nie. Mehr als 10 neue Alben erwarten uns Monat für Monat - Und das nur über Labels, Free-Releases noch gar nicht gerechnet. Wer zu wenig Zeit oder Geld hat, sich jede LP zu kaufen, kann ab sofort auf mich vertrauen. Zumindest halbwegs. Ich gebe jeder Platte ihre gerechte Chance und eine Bewertung von 1 - 6 Sternen. Heute erwarten euch unter anderem die Platten von 4tune, Sorgenkind, Kontra K, Umse und Shawn The Savage Kid. 



4tune - Einer muss es ja tune (04.07.2014)


Einatmen, ausatmen, ruhig bleiben. Der Puls steigt langsam an. Jedes Haar am Körper spannt sich. Die sind da wegen ihm. Die Masse tobt längst vor der Bühne. Die letzten Töne verstummen und du weißt, es ist die Zeit. Raus da. Eine Stunde. Vielleicht zwei. Sie lieben ihn, das wird doch kein Problem sein. Und alle Zuschauer feiern ihn doch. Seit er die Mütze aufhat, darf er auf die Bühne, der kleine 4tune. Ohne sieht das vielleicht wieder ganz anders aus. So selbstreflektiert zeigt sich das Reimebude-Mitglied in seinem Intro „Dreams“. So stimmungsvoll kann man doch einen Albumauftakt gestalten. Richtig gut! Nur was danach kommt, erinnert einen dann doch eher an das YouTube-Video eines Stagedivers, der von niemanden hochgehalten wird und mit voller Wucht auf dem Asphalt landet. Warum passiert sowas? Richtig, weil einer muss es ja tune. Aiaiai. Mario, will ich sagen, du hättest es doch ahnen können. Ahnen, dass das nichts wird. Die Fantas wollen dein Album nicht, die JBB „Jury“ schmeißt dich gegen Amateure beinah raus, die „Bald ist sie weg Edition“ gibt’s immer noch bei amazon zu kaufen – Warum hast du das alles nicht gesehen. Es hätte uns allen einiges erspart. Der Hamburger Magier versucht sich an der Mischung von bitterer Ehrlichkeit um seine Person und infantilem Battlerap-Humor auf Albumlänge, und wie soll man sagen – Pseudodeep trifft Kindergarten. Wenn mir jemand ernsthaft etwas über die Kredibilität des Künstlers hinter Mütze und Sonnenbrille und Gesellschaftskritik anbringen möchte, zwei Tracks später dann aber meint er hätte „den größten Dick, und das ist wie deine Mutter – schön für mich“, den kann ich doch nicht ernst nehmen. Nun gut, da bröckeln die ernsthaften Nummern eben weg. Der Kindergarten-Humor wird auf Albumlänge so langatmig wie ein „DVD Abend“ mit der X-Beliebigen Frau, die unbedingt ALLE Twilight-Filme gucken will und am Ende einschläft. Einigermaßen gelungene Intros, ein guter Jason-Part und durchgehend solide Technik retten vor der Totalkatastrophe, lassen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 4tune zwischen den letzten 3 Battle-Turnieren vergessen hat, sich endlich Talent als Songwriter herzuzaubern. So wird es dann wohl stehen bleiben, bis zum nächsten Auftritt und vor allem – bis zum nächsten lustigen YouTube-Video, Mario. Einer muss es tune. „Denn deine Runde klingt wie n mieses Album-Snippet!“ (Persteasy, schon 2013.)

Wertung: 1,5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Dreams

Kontra K - Wölfe (04.07.2014)


Königsdebatten im Deutschrap an der Tagesordnung. Die Hofnarren krönen sich mittlerweile schon zum Kaiser – Zeit, dass jemand durchgreift. Jemand, der das auch kann. Ein echter Alphawolf, ohne sinnlose Titelansprüche. Ob Kontra K genau dieser ist, steht nun zur Debatte. Die Wölfe EP schaut aber nicht nur auf die starken Alphamännchen, sondern auch auf diejenigen welche, die zum Glück zurück gelassen wurden. Wer „Ratten“ hört, weiß, für welche Werte Kontra einsteht – Ehrlichkeit, Standhaftigkeit, Stolz, Loyalität. Kein Platz für die schwachen Tiere. Sein Rap steht stellvertretend für die Einflüsse, welche sein Leben prägen. So wirkt es fast schon befremdlich, wenn Pipi Langstrumpf plötzlich das „Adrenalin“-Intro trällert. Und trotz solcher, kleinerer Ausfälle trumpft Kontra K mit einem bombastischen Soundbild auf, was zum „nebenbei genießen“ geradezu einlädt. Schon beinahe melodisch wirkt es dann, wenn der Alphawolf druckvollen Rap mit einer Gesangsstimme verbindet und auf „Erde und Knochen“ zu den Ursinnen eines Wolfs zurückfindet. Aber auch genauso unpassend leider, während doch „Wo sie scheitern“ wiederum einen unglaublich intensiv geführten Rapstil aufgreift. Die Ode an die Standhaftigkeit, gegen das Aufgeben, schließt eine EP ab, die mehr von Kontra K inne hat, als wenn er monoton seine Lebensgeschichte runterleiern würde. Keine privaten Stories und trotzdem Transportieren von Werten, Eindrücken und Gefühlen – Das können nur wenige. Ganz wenige Alphawölfe eben.

Wertung: 4 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Wo Sie Scheitern

Sorgenkind - Sommerloch EP (18.07.2014)


Von A nach X und, wie es aussieht, zurück – Sorgenkind ist wieder da. Nicht ohne einen kurzen Zwischenstopp in die Pop- und Rockwelt mit „Quarterback 40“ gemacht zu haben, füllt Nug mit seiner neuen EP nun höchstpersönlich das Sommerloch. Und wie schön das klingt erst. Viel geändert an Stil hat er nämlich nicht. Genauso verträumt, genauso bitter und ironisch, wenn es der Moment verlangt, und vor allem genauso gut ist Sorgenkind weiterhin. Ob er nun die „schöne Barfrau“ mit dem bestimmt baldigen Durchbruch und dem fast schon fertig geplanten Leben beeindrucken will oder als Heimwerker mit 2 linken Daumen an der Beziehung herumwerkelt („Umsonst“), irgendwie wirkt alles so gewohnt sympathisch formuliert. Vor allem Dingen – so gewohnt und grundehrlich. Nach dem Eröffnungstrack war das nicht abzusehen, als „Sorgenkind is back“ darauf schließen lies, dass Nicos größtes Problem nicht die unbezahlten Rechnungen sind, sondern das Zepter, welches immer noch niemand abgespült hat. Der Stilbruch kommt unerwarteter und unschöner als erhofft, täuscht aber nicht über die Qualität der 5 folgenden Tracks hinweg. Vor allem Dingen die Sinn- und Existenzsuche in der stillen Hoffnung, den Ort zu finden, an dem sich die Welt nicht dreht, weiß durch seine Stimmigkeit zu überzeugen („Ich bleib“). Nug ist außerdem der einzige Rapper der Welt, bei dem sogar die „Outtakes“ interessant klingen. Nach 6 Tracks wirkt der Hörer um eine Info reicher – Sorgenkind ist weder der beste Rapper, noch der allerbeste Sänger. Und umso unperfekter die EP klingt, umso runder ist das Gesamtpaket am Ende. Klingt paradox? Im Sommerloch ist ja sowieso nicht alles richtig.

Wertung: 4,5 von 6 Sternen
Bester Song der Platte: Schöne Barfrau

Umse - Kunst für sich (25.07.2014)


„Die Lächeln am Morgen sind weniger geworden“ – Ganz treffend, was Umse da sagt. Nur – Wie kann man das ändern, ohne es mit einem Augenzwinkern zu meinen? Wer es ehrlich ausdrückt, macht einen deepen Track, der vor Fremdscham nur so sprühen könnte. Wer es lustig oder lockerleicht verpackt, bringt vielleicht die Message nicht rüber. Umse wählt Weg 2 und vielleicht ist diese Sicherheit das, was mich stört an „Kunst für sich“. Doch – Wirklich mehr gibt es da eben auch nicht zu kritisieren. Das wirkt schon mehr als rund, was der gebürtige Ratinger da macht. Wenn sich dann Megaloh („In Aufruhr“) und Flo Mega („Dieses Jahr“) dazugesellen, dann merkt man, wie viel Feingefühl er in der Wahl seiner Features hat. Doch vor allem ehemaliger VBT-Jüngling Pimf kann überzeugen. Wie down geblieben er trotz der plötzlichen Berühmtheit ist, stellt der Rapper auf „Steck meine Zeit in Rap“ noch einmal, gemeinsam mit Abroo, klar. Gemeinsam mit Umse ein stimmiges Trio, das durch einen chilligen Oldschool-Flavour, der einfach trotz monotoner Betonung unverwechselbar klingt, überzeugen kann. Zwischen den Liebesbekundungen für unser aller Lieblingsmucke, abgedroschenen Phrasen, die stilecht ironisiert werden (Du und meine Mukke könntet Freunde sein!) blitzt aber immer noch die Seite von Umse durch, von der ich gern mehr hören würde. Die, die eben auch tiefer hinter die Fassade blickt so wie teils auf „Erdbeben“. Falls das nicht passiert, kann Umse gern auch dort bleiben – Vor allem Dingen seinem Stil treu, wenn es um Instrumentale geht. Denn kein Rapper Deutschlands hat so schöne Jazz- und Soul-Samples zum Berappen.

Bewertung der Platte: 3,5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: In Aufruhr feat. Megaloh

Shawn The Savage Kid - Egoprobleme (01.08.2014)


Wie man in der letzten EP „Kennen wir uns?“ erfahren durfte, hat Shawn so ein paar Probleme mit Gedächtnislücken. Das mit der Schizophrenie klären wir aber erst ab dem 1.8., wenn Egoprobleme erscheint. Da erfahren wir nämlich, dass es bedeutend mehr Shawns gibt, als bisher angenommen. Wenn er nicht gerade als weltbekannter A-Promi durch Hollywood düst oder als Schlagerstar die Bars und Clubs in Mallorca abarbeitet, es verbergen sich immer mehr Egos im Künstler. Keine Sorge, die sind aber eigentlich fast alle irgendwo auch sympathisch. Probleme könnte es nur mit dem schwererziehbaren „Hollywood Hank“-Fan geben, der stets sympathisch die Ellenbogen ausfährt beim Bahnausstieg. Immer locker und seicht bewegt sich der Regensburger durch die verrücktesten Szenarien seines eigenen Kopfs und präsentiert uns den Storyteller, den er uns schon auf seinem Erstlingswerk näher brachte. Nie ganz authentisch, aber immer sympathisch erzählt er auch über seinen eigenen Dolly, der für ihn die ungeliebten Arbeiten erledigen kann. Speziell thematisch weiß das Showdown-Records-Signing durch eine Vielschichtigkeit zu überzeugen, die kaum ein Newcomer so hat. Musikalisch holt er sich Unterstützung der Wienerin Soia, die perfekt ins Gesamtbild hineinpasst. Wer sich in die Texte von Shawn The Savage Kid hineinversetzen will, wird mit „Egoprobleme“ genauso viel Spaß haben wie jemand, der Rap einfach nur nebenbei genießt.

Wertung: 4 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Ellenbogen



Keine 2. Zeile wert 


Baba Saad - Das Leben ist Saadcore 

Dexter - Palmen & Freunde 



In stiller Selbstkritik. 


Auch diese Ausgabe ist wieder kurz vor knapp entstanden. Und das ist noch recht freundlich ausgedrückt, eigentlich meine ich damit, dass "kurzfristig" das gar nicht mehr beschreiben kann, in was für einem Wahn die Planung entstanden ist. Um die Qualität der Reviews zu sichern, verzichte ich auf alle anderen Kategorien und gelobe für den August Besserung. Große Vorfreude auf Teesy, Olson und Ahzumjot. Wird eine schöne nächste Ausgabe. Cheers! 


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Mittwoch, 30. Juli 2014

Track der Woche: Sorgenkind - Schöne Barfrau

Jeden Montag ein neuer Track: Immer der, der mich in der letzten Woche begeistert hat. Vor allem einer, der vielleicht unterschätzt wird von der breiten Masse. Heute - Zukunftsplanung mit Sorgenkind und seiner "schönen Barfrau". 


Die Review zur gesamten "Sommerloch"-EP, die Sorgenkind nach Rock-Ausflügen mit seiner amerikanischen Teenie-Highschool-Band gemacht hat, kommt zwar erst in ein paar Tagen hier online, aber schon einmal vorab - "Schöne Barfrau" ist nicht umsonst der beste Track der Platte geworden. Das zugehörige Video gibts nun via 16bars, und mit all den bekannten Gesichtern, die sich sicherlich auch bei "EYPRO5T" tummeln. Schöne Barfrau erzählt den Zwiespalt zwischen Durchbruchsgedanken und einfachem Leben, obwohl keines von beiden richtig funktionieren will. Und zwar auf die altbekannte Art und Weise, wie man sie gewohnt ist - Wunderschön. Sorgenkind eben. 



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