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Mittwoch, 9. Juli 2014

Zwischen Steuerungshölle und Stealth-Action: Sniper Elite 3 für die PlayStation 3 im Test

Während man in Sniper Elite V2 noch auf eindimensionales Leveldesign setzte, bietet Sniper Elite 3 nun auf jeder Levelebene eine offene Welt und verschiedene Lösungsansätze, um sein Ziel zu erreichen. Wie gut die neue Strategie von 505 Games und Rebellion in der afrikanischen Wüste umgesetzt wurde, erfahrt ihr im Test der PlayStation-3-Version.




2. Weltkrieg, Kolonien in Afrika und irgendwas mit England. So, nachdem ich mehr auf die Story eingegangen bin, als es der Entwickler in seinen Bild-für-Bild-Zwischensequenzen getan hat, können wir ja zu Wichtigerem kommen. Inwieweit hat sich das Gameplay zu Teil 2 verbessert?
Viel. Sehr viel sogar. Nachdem man in Teil 2 im Endeffekt zwei Möglichkeiten bekam, die Situation zu lösen, gibt es nun pro Level mehr Laufwege, mehr Ideen, wie man die Gegnerscharen ausschalten kann. Ob man sich nun auf den nächstbesten Berg setzt und dem „Sniper“ im Namen des Spiels alle Ehre macht, sich auf das Schlachtfeld begibt und mit der schallgedämpften Welrod und dem Messer mehrere Feinde erledigt oder natürlich mit der Maschinenpistole den Rambo-Weg wählt – Jeder Lösungsansatz ist auf seine Art und Weise vorteilhaft und gut umgesetzt. Der einfachste Weg ist hierbei Variante 1 – Da mit so vielen Möglichkeiten wohl auch die KI nicht zurechtkommt. Zwar bist du nach dem ersten Schuss aus deinem Gewehr „enttarnt“ und das Spiel empfiehlt, 30m aus dem Schussradius rennen, um nicht gefunden zu werden, doch Regel 1, die man in Sniper Elite 3 lernen sollte, ist: „enttarnt“ ist nicht gleich „gefunden“. Auch nach dem vierten, fünften und sechsten Schuss sind die Computergegner zu blöd, um auszumachen, aus welcher Richtung grade auf sie geschossen wird. Ziele in weiterer Entfernung scheinen teils nicht einmal mitzubekommen, dass sie gerade im Kugelhagel untergehen könnten – Sie bewegen sich meist sehr wenig, bis die X-Ray-Cam plötzlich zeigt, wo das Geschoss sie durchlöchert. Wird man dann doch noch entdeckt, sind die Gegner meist schon so dezimiert, dass man sie mit einem Verbandskasten (wiederum positiv: Wenigstens keine Selbstregeneration!) und einer Maschinenpistole locker ausschalten kann.

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Variante 3 klingt spektakulär, aber ist weniger erfolgversprechend. Das „Sniper“ im Namen sollte ja auch eher den leisen Weg implizieren, aber wer den lauten gehen will, wird keinesfalls von Munitionsknappheit gestört. Eher ist die fitzelige Steuerung hindert dich daran. Durch das lästige Waffenmenü, dass ähnlich dem Far-Cry-System aus einem kreisrunde Auswahlmenü besteht, findet man nicht immer direkt die Waffe, die man eigentlich wollte. Eine Granate zu werfen wird fast schon zum Kunststück, und so befindet man sich plötzlich in einem Kampf, den man nie wollte.

Variante 2 aber – Die entpuppt sich als ebenso effektiv wie spaßig. Das offene Schlachtfeld bietet unbegrenzt viele Möglichkeiten, alle Gegner in Einzelarbeit auszuschalten. Dauert deutlich länger, doch ist definitiv am spannendsten. Den Weg durch die Gegnerhorden zuerst suchen, dann VERsuchen, auch nach Plan durchzukommen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – Seien es jetzt Steinchen für die ablenkende Geräuschkulisse, Leichen im Wasser zu entsorgen oder simples Wegrennen, wenn man entdeckt wird.

Fazit:
Am Ende bietet Sniper Elite 3 kurzzeitig spannendere Stealth-Action, als es vielleicht klingt zuerst danach klingt.  Zwischensequenzen sollte man skippen, die Story ist schlichtweg nicht beachtenswert, doch im Gameplay zeigt der Entwickler 505 Games dafür ungeahnte Stärken. Offene Welten, verschiedene Lösungsansätze, solide Grafik- und Sound-Verhältnisse für ein 40€-Spiel – Ein kurzer Spaß und garantiert kein Fehlkauf, wenn man sowieso auf Sniper-Spiele steht: Das ist Sniper Elite 3. Und garantiert ist es die bessere Option zu „Sniper Ghost Warrior.“



Wertung: 7 von 10 Punkten



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Montag, 30. Juni 2014

Rap-Review - Ausgabe 4 - Juni 2014 - Celo & Abdi, KC Rebell, Sierra Kidd, OK Kid, KaynBock

Rap ist, speziell in Deutschland, so facettenreich wie nie. Mehr als 10 neue Alben erwarten uns Monat für Monat - Und das nur über Labels, Free-Releases noch gar nicht gerechnet. Wer zu wenig Zeit oder Geld hat, sich jede LP zu kaufen, kann ab sofort auf mich vertrauen. Zumindest halbwegs. Ich gebe jeder Platte ihre gerechte Chance und eine Bewertung von 1 - 6 Sternen. Heute erwarten euch unter anderem die Platten von Celo & Abdi, KC Rebell, Sierra Kidd, OK Kid, KaynBock.


KC Rebell - Rebellution (30.05.2014)


Was gehört alles zu einer Revolution? Nicht nur Waffengewalt, nein. Ein Ideal, was es schafft, die Masse zu begeistern, anstatt simple Einzelpersonen. Einen Umbruch, den die Masse will und für den sie bereit sind, zu kämpfen. Einen klugen Kopf an der Spitze, der eine Revolution in die Richtung leiten kann, dass es nicht nur in einem sinnlosen Widerstand gegen Staatsgewalt endet, sondern einen Gegenwind erzeugen kann. Außer Muskel gibt es nichts davon auf der selbst ausgerufenen „Rebellution“ des Hüseyin Köksecen. Zwischen zärtlichen Balladen und harten Battletracks ist nichts, was einem Umbruch gleich kommt. Ganz im Gegenteil, KC Rebell kaut Altes nochmal neu durch. Wenn er mir also mit Vergleichen á la „Das ist wie beim Pissen, ich sitz am längeren Hebel“ punkten will, dann hätte das 2010 bestimmt funktioniert. Dazwischen werden ein paar mehr als plumpe Balladen eingespielt, denn wenn ein Wort stellvertretend für „Banger“ steht, dann Zärtlichkeit. So beleidigt, weint und singt er seiner Traumfrau auf „Herzblut“ hinterher mit einer Idee, die man hätte so cool umsetzen können, stattdessen aber auf billigste Art und Weise mit Telefoncalls und schief eingesungener Hook einspielt. Wenn mir der große Rebell dann erzählt, wie er zuerst die Freundin seines Freundes und danach auch noch den Freund selbst fickt („Hayvan“) und keine 2 Tracks später mir etwas von seiner Ehre, seinem Respekt und seiner ehrlichen Ader erzählt, dann kommt das mir auch nicht so vor, als könnte er der große Redner vor der rebellierenden Masse werden. Fazit – Rebellution gescheitert.
Bewertung: 1,5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Zu spät

OK Kid - Grundlos (06.06.2014)


Seht ihr das Cover gut genug, da, rechts außen? Ja? Dann schaut euch das mal genau an. Diese endlose Blau, umrandet von den fliegenden Gestalten, die ins Nichts zu fallen scheinen. Und trotzdem in irgendwie freudiger Erwartung, dass irgendwo in dem Meer, dem Himmel oder weiß Gott, wo sie hinfallen, etwas gutes auf sie wartet. Ihr könntet das natürlich auch selbst sehen, aber irgendwo beschreibt das Cover die gesamte EP der Jungs absolut perfekt. Locker, lässig, smooth, zweideutig, unbestimmt – All das passt aber auch ganz gut auf OK Kid, die „kurz vorm Hit links abgebogen“ sind. Die Jungs sind keineswegs die besten Musiker. Schon recht nicht die besten Rapper. Ganz im Gegenteil, so monoton, wie jeder der Parts klingt. Und exakt diese Monotonie überträgt diese Selbstironie, verpackt zwischen dezenten Andeutungen und Wortspielerei auf einem ganz anderen Level, macht die Grundlos EP aus. Der Name passt hierbei ähnlich gut – OK Kid trägt einen durch die lockere Untermalung durch eine Wolkenwelt, in der alles ok zu sein scheint, auch wenn man genau weiß, dass am Asphalt die knallharte Realität wartet. Der Soundteppich fängt dich aber lieber vorher auf, bevor du einschlägst – Lässt dich aber trotzdem wissen dass es ihn gibt. „Und wenn alle Stricke reißen, bleibt die Borderline.“

Bewertung: 4,5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Borderline


Celo & Abdi - Akupunktur (06.06.2014)


Jede Line wie eine Nadel – Celo & Abdi setzen den Stich. Was die beiden perfekt verbindet ist der Ausgleich, den sie miteinander schaffen. Auf der einen Seite Celo, der wohl auch 5 Minuten, komplett ohne Luft zu holen, auskommen würde, auf der anderen Abdi, der die unglaubliche Fähigkeit besitzt, absolut alles wie einen guten Reim klingen zu lassen. Wenn die beiden Azzlackz dann noch thematisch absolut alles richtig machen, indem sie das ganze so variantenreich wie selten ein Release aus dem Camp gestalten, dann ist Akupunktur halt eines der besten Alben des bisherigen Jahres. Vor allem Dingen, wenn man es dann noch schafft, dass es ausnahmsweise nur gute Features zu hören gibt. Ein kleines Wunder bei über 7 Stück. Allen voran Yasha, der Abdi McFly und Dr. Celo Brown in ihrer Reise durch die Zeit mit einer Ohrwurmhook begleitet, die man so wahrscheinlich auf jedem guten Festival dieses Jahr hören wird. SSIOs Fixkosten-Problem in einer für Rick Ross unannehmbaren Höhe wird ebenso eindrucksvoll wie intensiv vorgestellt. Daneben gibt es noch die obligatorische Ernennung zum „Duo Numero Uno“, auch wenn das derzeit vielleicht noch ein wenig Stunk mit Genetikk geben könnte. Auch wenn vielleicht nicht jede Line so sitzt wie ein Stich in den Rücken, egal. Nichtsdestotrotz ist das Ganze, von der Verräterjagd mit Capo bis zur Bolzplatz-Hymne, einfach so rund wie selten ein Release der Azzlackz. Wenn Hafti nicht schleunigst mal wieder ein ganzes Album hervorzaubert, wankt der Thron, auf dem er aktuell sitzt mehr als nur ein wenig.

Bewertung: 5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Zurück in die Zeit feat. Yasha


KaynBock - Astronaut (13.06.2014)


Blick in den Himmel, die letzte Sternschnuppe funkelt vorbei, und der letzte Wunsch, sie einmal zu fangen – Oder wenigstens besuchen zu können. Alles nur ein Traum. Auch der von Pilot 343 KaynBock, der seinen Jugendwünschen endlich wieder nachjagt, nachdem man so lange auf sein Soloalbum warten musste. So verträumt, wie diese Kleinkindfantasie schon wirkte, hört sich auch „Astronaut“ an. Der Zwiespalt zwischen den längst verglommenen Schnuppen am Himmel und der bitteren Realität, in der Essah-Zögling KaynBock Höhenangst hat, begleitet einen alle 12 Tracks lang. Beim Antreten zur Reise auf den Mond findet er nur tote Planeten, die ihn daran erinnern, dass Kinder entweder Kinder bleiben oder aufwachen, denn alte Kinder gibt es nicht. KaynBock wirkt selbst so, als wisse er nicht wirklich, zu welchen der beiden Fraktionen er wirklich gehört. So kommt das Album ohne ein richtiges Konzept, aber mit einem Rapper daher, der einfach nur ehrlich wirkt, anstatt die hundertste Aufzählung von seinem Können zu präsentieren. Hier und ist das inhaltlich aber doch schon mal gehört. An „Wir ignorieren die, die uns lieben und lieben die, die uns ignorieren“ hat man doch schon einmal exakt so 2011 gehört und das Sample von „Fremd stehen“ erinnert nicht nur ein wenig nach Pis „Kompass ohne Norden“. Lässt man das noch als Inspirationsquellen durchgehen, bleibt ein verträumtes Album über, dass nicht nur über vergangene Liebe, geplatzte Träume und Fehler der letzten Jahre handelt, sondern auch über einen Rapper, der das einsehen kann und verarbeitet. KaynBock, ready for take off.

Bewertung: 4,5 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Kaputt


Sierra Kidd - Nirgendwer (04.07.2014)


Wenn die rosa-lila-pinke Kopfvilla bröckelt, sollte man meinen, die bunte Außenwelt besser sehen zu können. Doch vielleicht sind die Probleme innerhalb der Hausfassaden doch kleiner als das, vor dem Sierra Kidd jetzt steht. Als "Nirgendwer" wagt er den Balanceakt zwischen Leben im Dorf, wo eigentlich das Abitur auf den 17-Jährigen warten sollte, und der Albumproduktion in Berlin, wo RAF Camora dem Jungen seine Beats maßschneidert, seit er unlängst sein wahres Talent auf YouTube fand. Fernab von den Abschlussprüfungen scheint der Junge schon viel mehr in seiner eigenen kleinen Rap-Welt verankert zu sein. So findet sich, nicht einmal ein Jahr nach der Kopfvilla-EP, mehr als 16 Tracks auf seinem Debütalbum. Ein Arbeitstier – oder doch eher – Nichtschläfer. Etablierte Künstler nimmt sich Sierra Kidd hierbei kaum zu Hilfe, wenn man mal von seinem Mentor RAF und Prinz Pi absieht. Frei nach dem Motto „Papa, ich kann das auch allein. Ich bin kein Kind mehr.“ Von präpubertären Problemen ist der 17-Jährige auch mehr als weit entfernt, eher in der typischen Welt eines Teenagers gefangen, obwohl er doch eigentlich ganz anders sein will. So hat er seine Miss Sierra 2014 zwar gefunden, aber 540km zu weit weg. So plagen ihn weiterhin die selben Probleme, die man schon letztes Jahr von ihm hörte – Und er verpackt sie immer noch ähnlich gut. Sierra Kidds Textniveau ist weit entfernt von dem, was man als 08/15-Lyrics bezeichnen könnte, aber dennoch recht eintönig. Auf 16 Tracks ist es, trotz grandioser Untermalung von RAF Camora, mehr als schwer, den Liebeskummer zu ertragen. Ständige Melancholie auf einer solchen Länge ist zu monoton, um das noch länger so durchziehen zu können. Irgendwann einmal läuft sich auch das interessanteste Thema mal tot. Da ist es fast schon erleichternd, einen schnelleren und fröhlicheren Beat zu hören, auch wenn es thematisch ähnliche Pfade schlägt (Knicklicht). Und dennoch ist es faszinierend, wie routiniert man mit so wenig Lebenserfahrung schon klingen kann. So on point setzen manche Rapper mit 10 Jahren Erfahrung ihre Zeilen nicht.
Fazit ist, dass mit Sierra Kidd wohl der interessante und beste Newcomer 2014 gefunden ist – Der sich aber schleunigst neue Themen suchen sollte, denn die Abrissbirne kommt schneller, als er sie vielleicht erwartet, wenn man die Kopfvilla nicht regelmäßig saniert.

Bewertung: 4 von 6 Sternen
Bester Track der Platte: Knicklicht


Keine 2. Zeile wert



Johnny Pepp – Achtnullacht

Ruffinction – Ruffnecks


International Business


50 Cent - Animal Ambition: An Untamed Desire to Win
Sagt mal. Dieser 50 Cent, ne. Der war doch mal gut. Warum denn jetzt nicht mehr. Einem Eminem wird ja auch immer wieder vorgeworfen, dass er seit seiner Rückkehr weit nicht mehr so gut ist. Nur ist ein Eminem mit 50% eben immer einer der besten der Welt, ein 50 Cent mit halber Leistung nicht einmal mehr eine Erwähnung wert. Animal Ambition: An Untamed Desire to Win ist keinesfalls schlecht, nur einfach irrelevant. Auf Plastik-Beats billig eingespielte Synthies, andauernd nur das selbe Gerede, nervige Tiergeräusche, die nichts mit Musikalität und Hörgenuss zu tun haben und dann auch noch Trey Songz. Was der Mann da veranstaltet hat längst nichts mehr mit „Get rich or die tryin“ am Hut. Warum man dann auch noch Rapper wie „Kidd Kidd“ circa 10 Mal zu Promozwecken einbauen muss, bleibt mir bei solch einem belanglosen Jungen auch ein Rätsel. Eigentlich schade, wenn selbst ein Schoolboy Q nichts mehr rettet an einem Album, was vielleicht nicht schlecht, aber mehr als belanglos ist.

Bewertung: 2 von 6 Sternen



Free and lonely


Aytee – Cyberjunk EP


Nach seiner Qualifikation für das JBB sollte der kurzlebige Hype schon vorprogrammiert sein, denn Aytee kann rappen. Sehr gut sogar. Das zeigt er auf seiner letztens erschienenen Solo-EP „Cyberjunk“ auch noch einmal. Egal, ob er zusammen mit den Terminatoren der Mason Family die Szene aufmischt, seinen „Arbeitsalltag“ als einziger Rapper Deutschland mit einem Text in 2 Monaten oder mit LZA, bekannt aus Facial Traffic, noch einmal harte Punchlines auf düsteren Beats auspackt, es ist immer aggressiv und technisch anspruchsvoll gerappt. Die EP gibt es zum freien Download via tapez.eu und umfasst 14 Tracks.




In stiller Selbstkritik...


Nein, Talion 2 hat von mir keine Review bekommen. Zurecht nicht.
Liebe Grüße gehen raus an 4tune, der durch das Album, dass ursprünglich am 13. Mai erscheinen sollte, meine Planung für mittlerweile 3 Ausgaben der Rap-Reviews kaputt gemacht hat. Props!

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Freitag, 6. Juni 2014

Review: CRO - MELODIE

Von Party-Panda zum HipHop-Gorilla: CRO mit "Melodie"

Wenn Cro zum zweiten Album ruft, steht nicht nur ganz HipHop-Deutschland Schlange, um die zweite Platte „Melodie“ hören zu dürfen, sondern auch alle anderen. Mit „Traum“ war die erste Nummer 1 ja bereits gesichert. Wie viele Singles davon noch auf der Platte sind, stellen wir heute fest.

Die Melodie von Cros Leben dürfte recht simpel zu spielen sein: Eigentlich ein waschechter Rapper, Wurzeln in der RBA, auf jedem Track mindestens eine Anspielung auf uralte HipHop-Tracks, von denen er sich nicht nur einmal inspirieren hat lassen. Wenn man dann bedenkt, wie wenig sich das eigene Lager auf den zweiten Soloplayer von Deutschraops Panda gefreut hat, muss man sich fast schon verstoßen fühlen als Carlo Waibel. Kein Wunder jedoch, wenn man es einfach wagt, statt 90bpm Boom-Bap-Beats zu picken, einfach mal Songs schreibt. Wenn Cro zu „Melodie“ aufruft, stehen Millionen kleiner Sunnies wieder vor den Bühnen Deutschlands. Und ab sofort hoffentlich auch die Leute, die nicht so hängengeblieben sind, um zu kapieren, dass man 2014 auch den Mann hinter der Pandamaske nicht mehr haten braucht, weil er Deutschrap auf eine ganz andere Ebene verfrachtet hat.

Und guckt mal an, er kann es noch. Wenn Kollege DaJuan der Gang beitritt, dann haben wir schon auf dem zweiten Track ein kleines HipHop-Spektakel. Sowieso – DaJuan ist mittlerweile ambitioniertester Ziehsohn der Chimps, der neue Cro zu werden – Da scheint ein Feature ganz schön passend. Bei dem Gastpart bleibt es dann auch auf 14 Tracks, denn ein Cro macht seine Hooks immer noch selbst. Wie gut er das kann, beweist er auf „Traum“, genauso wie auf „Jetzt“, der Track, der in meinen Augen jetzt schon Platz 1 der Single-Charts sicher hat. Wenn er dann auch mal den Mann hinter der Maske heraushängen lässt und uns zeigt, was für ein Mensch Carlo Waibel „2006“ mal war, wird die Platte mitunter grandios. Ein Ohrwurm auf 14 Tracks, der mehr HipHop in sich hat, als man beim Raopper hätte vermuten können.

"Könnt ich durch die Zeit fahren, in einem schnellen Auto/
Würd' ich alles nochmal tun, und zwar genauso/
Schieb' mich zurück, in die Zeit, wo mich niemand kennt/
Und ich würd' alles dafür tun, dass du mich wieder erkennst/"
(2006)

Nur – So ganz HipHop ist halt Cro am Ende des Tages doch noch nicht. Sonst hätte man ihm gesagt, dass man absolut alle Vergleiche auf „Cop Love“ in den letzten 5 Jahren schon mehrere Male gehört hat – Allen voran „Ich bin so unfassbar wie Gas“, ein Spruch, den ich sogar schon Lakmann One übel nehmen musste letzten Dezember zu „It was witten“. Wenn mir Cro dann über seine Sexfantasien mit dem perfekten, aber bösen Chick erzählt, dann wird es musikalisch nicht nur richtig nervig, sondern auch ein Rückschritt zu „Raop“. Zu unrund wirkt die Bridge, zu eingesetzt die Hook, zu übertrieben für einen smoothen Cro im Gesamten. Wenn sich das natürlich dann noch paart mit einem unfassbar nervigen Frauenchor, dann haben wir „Rennen“ - Und damit eigentlich auch schon den letzten, schlechten Track von „Melodie.“

14 Tracks später geht es mir weder besser, noch schlechter. Ich nehme nichts mit von „Melodie“, außer der Erkenntnis, dass Cro seine Frauenprobleme noch nicht in den Griff gekriegt hat. Aber das ist auch das Letzte, was man von diesem Release erwarten konnte. „Melodie“ macht Spaß, und das auf der gesamten Lauflänge. Weder tiefgreifende Lyrics, noch hohe Raptechnik, die einen rein durch die ganze Silbenzählerei in den Bann zieht. Also nichts, was ein Cro braucht. Dennoch ist er auch 2014 noch Status Quo, wenn es um Ohrwürmer geht. Denn wenn Carlo Waibel eines kann – Dann das. Und zwar verdammt gut.

Bester Track der Platte: Jetzt
Bewertung: 4,5 von 6 Sternen




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Freitag, 23. Mai 2014

Rap Review – Ausgabe 3 – Mai 2014 – Lucky Looks, Olli Banjo, Fatoni, Figub Brazlevic

Rap ist, speziell in Deutschland, so facettenreich wie nie. Mehr als 10 neue Alben erwarten uns Monat für Monat - Und das nur über Labels, Free-Releases noch gar nicht gerechnet. Wer zu wenig Zeit oder Geld hat, sich jede LP zu kaufen, kann ab sofort auf mich vertrauen. Zumindest halbwegs. Ich gebe jeder Platte ihre gerechte Chance und eine Bewertung von 1 - 6 Sternen. Heute erwarten euch unter anderem die Platten von Olli Banjo, Lucky Looks, Fatoni und Figub Brazlevic.

Lucky Looks – Endlich Superstar (01.05.2014)


Die jüngsten Staffeln von „The Voice“ und „DSDS“ sind zwar längst vorbei, aber Lucky hat das mit dem „berühmt werden“ wohl auch ganz ohne den Bohlen geschafft. Das Schwabenländle ist ja auch nur die Hollywood-Bühne Deutschlands. Auch wenn er auf das Star-Dasein so gar keine große Lust hat, wie er uns in „Mainstream“ fröhlich erzählt. Mit der Gesangseinlage in der Hook wäre er wohl auch nicht in den Recall gekommen, aber sympathisch gerappt ist das allemal. Ähnlich glückliches Sommerfeeling („Radio im Cabrio“) überträgt sich auch im Folgenden. Kein Wunder, denn in Hollywood bei den VIPs scheint ja bekanntlich auch immer die Sonne. Wenn dann aber doch die Nacht einbricht und auch die Sound-Untermalung düsterer wird, blühen Lucky Looks und Kumpane Enceo erst so richtig zu kleinen Stars auf. Wie authentisch das alles ist, kommt dann „an Tagen wie diesen“ heraus, denn auch bei den ganz Großen wie Lucky gibt’s halt auch mal diese schlechten Tage. Und wenn man die „Endlich Superstar“-EP dann ganz nüchtern betrachtet, dann bleibt vom Mega-Star Lucky Looks eben doch nur der kleine Bub auf dem Schwabenland übrig, der seine Bars mit den 8.000 Facebook-Fans teilen will. Und eigentlich reicht das auch, denn am Boden lebt es sich eh viel schöner. Bleib noch eine Weile da, Lucky. Du bist eh viel zu lieb für all die Botox-Fressen der Big Hollywood!

Bester Track der Platte: Summer is gone feat. Enceo
Wertung: 4 von 6 Sternen 

Olli Banjo – Dynamit (09.05.2014)


Wenn ein Rapper sein Album schon Dynamit nennt, dann sollte man doch auch Bombentracks erwarten. Tighte Flows, harte Bars, alles, was halt zu so einem explosivem Sound dazugehört. Wenn dann allerdings statt dem erwarteten massiv-artigen Massaker ein Xylophon eingespielt wird, irritiert das. Wenn dann ein gelangweilter Olli Banjo einsetzt, der Wie-Vergleiche bringt, die man so alle schon einmal 2004 gehört hat („Solange“), und sich die ernst gemeinte Glaubensfrage an den Papst als der intensivste Track herausstellt, dann ist Dynamit wohl eher eine Silvesterrakete, die nicht richtig hochgehen will. Wenn Olli Banjo es, dank hochgepitchtem Stimmeinsatz schafft, selbst den King of Rap in „Träumer“ in ein fragwürdiges Licht zu rücken, dann wird aus der Silvesterrakete schnell ein Sturm im Wasserglas. Wenn die Beats dann endlich schneller, spannender und härter werden und auf dem Titeltrack endlich auch Dynamit-Feeling ankommt, demontiert sich der Heidelberger Rapper quasi selbst mit seiner locker-lässigen Reggae-Hook. Dann kommt noch Xavier Naidoo und es ist quasi alles verloren („Mein Baum“) - Der Wunsch wird größer, Rapper wären immer noch „still wie Bäume“. Hier verkommt der Sturm im Wasserglas dann auch langsam zum nicht enden wollenden Nichts. Da retten Lichtblicke wie Morlockk Dilemma und die Tracks „Mädchen aus den Slums“ und „Uzi“, die eigentlich stark gerappt sind, eben auch nicht mehr viel, denn sobald ich wieder auf die Lyrics von Banjo achte, weiß ich, wie „Dynamit“ zu bewerten ist: Als eine C4-Stange, welche, kurz bevor die Lunte herunterbrennt, in die Themse geworfen wird.

Bester Track der Platte: Mädchen aus den Slums
Wertung: 2 von 6 Sternen 

Fatoni – Die Zeit heilt alle Hypes (14.05.2014)


Wir haben mittlerweile schon alles im Deutschrap gehabt. Da waren Pandas, ein Boss, die Anfänger, die Maskenmänner und dennoch – Eine Art Mensch findet man einfach nicht. Dicke Hipster. Eigentlich findet man sie auch nicht auf dem Marktplatz der hiesigen Stadt. Vielleicht haben sich alle dicken Hipster der Welt hinter dem Vintage-Cover von Fatoni versteckt, denn unter dem Deckmantel „Die Zeit heitl alle Hypes“ sollte die extrem seltene Gattung Mensch auch eine neue Heimat finden. Wer sich nun fragt: „Fatoni? Ist das nicht der von Edgar Wasser?“ - Korrekt. Aber das mit dem Rappen kriegt er auch ohne den in Interviews wortkargen Edgar gebacken. So trällert, rappt und flowt sich durch die Rap-Geschichte und vernachlässigt dabei natürlich auch nicht die vorherrschende Wetterlage und verpasst auch nicht die Gelegenheit, immer ein Ohr an die Schiene der Geschichte zu legen. Schließlich ist dieses Oldschool ja wieder voll hip. Ist vielleicht aber auch nur ein Hype. Genau wie Fatoni. Aber das ist wenigstens ein Hype, dem man definitiv etwas abgewinnen kann.

Bester Track der Platte: Tränen der Pisse
Bewertung: 4 von 6 Sternen


Figub Brazlevic – Ersatzverkehr (30.05.2014)


…Und so sieht man sich wieder, liebe dicken Hipster! Obwohl man euch nie sieht, los wird Deutschrap euch im Mai 2014 wohl doch nicht. Darum finden die Moppelchen auch auf der Remix-Platte von Showdown-Records-Zögling Figub Brazlevic ihren Platz, gemeinsam mit beispielsweise dem ebenso fleißigen Mortis, der einen Track seiner EP für einen Remix hergab. Figub versammelt mehr als 17 Künstler um sich, um seine Platte zu machen und eigentlich ist es da ein Wunder, dass das Ganze noch verhältnismäßig stimmig wirkt. Das liegt primär an den mehr als schön produzierten Beats von Figub, die, ohne die Einzelleistung aller Rapper zu schmälern, auch ein hübsches Gesamtprodukt abgeben.
Nun müssen sich aber alle Rapper mit den Besten messen – Und so können ein Eloquent und ein Man of Boom eben leider nicht das Niveau von Schote, SSIO, Shawn The Savage Kid und Fatoni halten. Die Bandbreite sticht sich einfach selber aus. Wer also Ersatzverkehr kauft, wird auch genau das bekommen – Nicht die stilvoll eingefangene Hauptverkehrsader von New York City im Sonnenuntergang, sondern eher die letzten Rickschas, die in Indien die Heimfahrt antreten auf einer viel befahrenen Straße. Kann definitiv aber auch seinen Charme haben.

Bester Track der Platte: Schote – The Walking Dead
Wertung: 3,5 von 6 Sternen



In stillem Gedenken an...

  


Hollywood Hank.
Wo ist der geisteskranke Sympathieträger eigentlich? Und wo auf der Strecke zwischen RBA-Heads und der Fahrradstrecke nach Frankreich ist er hängengeblieben? Angeblich doch nur im Knast, laut Favorite. Aber wenn er clever ist, kommt er dieses Jahr zurück. Es muss doch noch ein paar Leute geben, die sich Soziopath 2 genauso sehr wie ich wünschen. Spätestens wenn das neue Cro-Album erscheint, brauchen wir einen Antagonisten, einen kleinen Joker zum Batman. Sonst wird das Spiel natürlich auch zu langweilig. Ich hoffe, Holly Hank kann man bald wieder mieten - „wie Rent a Pocher!“




Free and lonely


Döll – Weit entfernt EP


Zu viele Newcomer, zu viele, die nichts anders machen. Und einige, die einen überzeugen. Und dann gibt es noch die Dölls dieses Landes, die keine 20 Sekunden brauchen, um einen Eindruck zu hinterlassen. Komplett eigen, teils battlelastig, aber immer auf smoothen Beats präsentiert sich der kleine Bruder von Mädness auf eine Art, die man von ihm so noch nicht kannte. Die EP „Weit entfernt“ ist komplett kostenlos downloadbar, auch wenn man via amazon ein paar Euro in ein junges Talent investieren kann. Und wer den Track „Für uns“ gehört hat, weiß, dass er dies definitiv tun sollte.

Bester Track der Platte: Für Uns



JuseJu – Übertreib nicht deine Rolle


Alle hassen JuseJu war das Motto einer der lustigsten Promophase der letzten Jahre. Keiner will ein Feature aufnehmen mit dem armen Jungen, dessen Album „Übertreib nicht deine Rolle“ doch eigentlich ein Meilenstein wird. Warum will trotzdem niemand mit ihm arbeiten? Wenigstens Fatoni & Edgar Wasser haben sich dann doch noch erbarmt...Für ein paar Scheine, versteht sich. Aber wie es scheint, kommt JuseJu auch alleine sehr gut klar, das gut gewordene Album spricht absolut für ihn. Aus 11 Anspielstationen macht der Rapper eine Platte, die zum kostenlosen Download bereitsteht und dafür eigentlich viel zu rund wirkt. Also – Nutzt euer Glück! „Übertreib nicht deine Rolle“ ist nämlich mehr als hübsch geworden.

Bester Track der Platte: JuseJu is tight



In stiller Selbstkritik


Alle weiteren Releases kommen in der zweiten Mai-Ausgabe der Rap-Reviews. Nummer 4 wird Anfang Juni erscheinen, sodass Afrob und KC Rebell auch noch ihre Review bekommen.



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Samstag, 17. Mai 2014

Filmkritik: Godzilla 3D – Back to the roots

Godzilla ist zurück, in 3D, noch mächtiger und ... freundlicher? Hier in der Filmkritik erfährst du, wie lieb die japanische Riesenechse wirklich zu den Menschen geworden ist. 


Ich möchte wieder, dass die Urzeit-Bestie Godzilla von einem 1,40m großen Japaner gespielt wird. Vielleicht bin ich mit diesem Wunsch der einzige, aber das gab dem ganzen diesen Kultfaktor, den ich an den alten Godzilla-Filmen liebte. Und war das, was ich an den Emmerichs Godzilla hasste. Jetzt ist die Riesenechse in 3D zurück – Und das bombastischer als je zuvor. Achtung, Spoiler-Alert: Ich werde nicht drum herum kommen dieses Mal.

Also, wer nichts vorweggenommen haben möchte: Er ist einen Tick zu lang, aber der Endkampf ist so bombastisch, dass es das locker wettmacht. Die Wertung steht unten, viel Spaß im Kino!

Zurück zum ernsten Thema: Ich konnte den einigen Stellen von Godzilla nur mit dem Kopf schütteln. Teils aus Unglauben wegen der Bildgewalt, die auf mich niederprasselte, teils wegen dem weit weniger spektakulären Drehbuch. Warum wollt ihr nun wissen?

  1. Warum stirbt Bryan Cranston nach einer halben Stunden schon? Die ältere Generation der Brody-Familie ist weitaus interessanter und schauspielerisch talentierter, warum ihnen also nicht mehr Screen-Time einräumen?
  2. Muss ich wirklich, um einen epischen Endkampf zu sehen, 2 Mal geteased werden mit Szenen, wie die Bestien aufeinander treffen, ohne wirklich Kampfszenen zu erleben?
  3. Warum 3 Monster? Die Geschichte rund um die Paarung der beiden Urzeit-Bestien hätte man sich gut und gerne sparen können und stattdessen nur die überdimensionale Fliege einsetzen können. Durch die viel zu spärlich ausgeleuchteten Spotlights auf die Kreaturen kommt man komplett durcheinander – Welches der Viecher ist aus dem Meer, welches gerade in der Pubertät und generell – Hä?
  4. Warum mag Godzilla nach circa 50 Jahren Filmfeindschaft plötzlich die Menschen so sehr, dass er ihnen hilft und gemütlich neben Kriegsschiffen schwimmt? Ich meine, wir haben ihn ja mit Atombomben beworfen – Selbst, wenn man sich von Strahlung ernährt, kann man das nicht als „act of friendship“ auffassen, oder?

Gut, das klingt nun nach mehr Gemecker, als der Film schlussendlich verdient. Das ist natürlich auch alles wegs dem unterdurchschnittlichen Drehbuch, denn handwerklich ist Godzilla grandios. Der Endkampf ist einwandfrei inszeniert, die Szene mit unserem Bombenentschärfer Brody auf der Brücke unheimlich spannend und auch sonst ist Godzilla wahnsinnig toll anzusehen. So stellt man sich eine Weltbedrohung im Jahr 2014 vor. Soundtechnisch stellt Godzilla Weichen. Und wenn ich nur wegen der packenden Geschichte einen Film mit Riesenechse angucke, dann läuft sowieso was schief. Godzilla macht das, was er machen soll, sehr gut. Alles andere dafür halt nur mittelmäßig. Aber naja – Godzilla hat seinen Atomic Breath wieder. Ich glaube, dann kann ich damit umgehen.


Bewertung des Films: 7/10 Punkte

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Freitag, 9. Mai 2014

Review: Kollegah – KING – Vom Hofdealer zum Kingticker

Wenn Kollegah auf seinem neuen Album den KING-Titel einfordert, steht ganz Rap-Deutschland Schlange, um das neuste Werk begutachten zu dürfen. Wie „KING“ klingt, erfahrt ihr in der Review.

„2005 – das erste Zuhältertape im Netz“...und nichts hat sich seither geändert. Aus Toni ist mittlerweile Felix Blume aka Kollegah aka der Boss geworden. Bald soll ein neues „aka“ dazukommen, in Form des King-Titel von Kool Savas nämlich. Der Altmeister sei seinem eigenen Beinahmen längst nicht mehr würdig – So zumindest die Meinung des neu ernannten Hochadels Kollegah. Nur – Kann Kollegah wirklich sein blaues Blut auf „KING“ beweisen, oder muss er sich die Krone erkaufen und damit in eine Reihe mit Prinz Marcus von Anhalt treten?

Zuerst einmal die gute Nachricht: Es ist endlich wieder Kollegah drin, wenn Kollegah draufsteht. Vorbei die Bossaura-Zeit mit Autotune an jeder Ecke, zurück zu Punches über Punches, die sich wie immer in technisch einwandfreier Fassade präsentieren. So spielen sich seine Ghetto-Geschäfte endlich wieder im „Blog/Block ab wie Daumenkinos“, die einzige Zeit, in der der Boss sich dazu bequemt, bei Real einzukaufen, ist beim alltäglichen Fußballer verpflichten und das Coke steckt endlich wieder in der Limo „so wie Mezzo Mix“ (Lamborghini Kickdown). Das Ganze erinnert auch von der Atmosphäre wieder enorm zurück an die alten Zuhältertapes von früher … Aber es fehlt einfach irgendwas.

Den Überraschungseffekt, den Kollegah früher nutzen konnte, ist längst verbraucht. Jeder erwartet von ihm diese Wortspiele, diese Punches...Und irgendwann kann man sich auf diesen Lorbeeren nicht mehr ausruhen. So geht das mit der Innovation auf „KING“ auch dieses Mal „ins Auge wie der Schwanz eines Leichenfickers“ ("Königsaura“), wenn man es wie Kollegah halten will.

Es sind eben doch schon ein paar Jahre vergangen, und ohne irgendeine ersichtliche Weiterentwicklung kann auch kein Kollegah mehr so flashen, wie er es früher mit den für ihn so simplen Mitteln tat. So beeindruckt heutzutage ein Track wie „Universalgenie“ viel mehr.

„Einen nach jeglichem Wissen forschenden/
Und Wie ein Mechitaristen-Orden epische Schriften hortenden Gelehrten/
Der zur philosophischen Dichtung neigt/
Von verbotenen Schriften weiß und Aristoteles wissen teilt/
Ein Intellektueller von lyrischer Gewandheit/
Dessen Werke ganze Sphären über den üblichen Verstand reicht,
Eine Legende, um die sich Sagen wie Efeu ranken/
Er brachte das Licht wie der, den sie Prometheus nannten/“
(Universalgenie)

Sich selbst einfach mal nicht als Koksticker, als den erhabenen Boss zu inszenieren, sondern als den Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft in einer Mystik, die es nur Kollegah weiß, szenisch umzusetzen – DAS ist eine Idee von Kollegah 2014, die ich hören will. Kein Toni 2005 mehr, der Schritt in die nächste Richtung – Sonst wird das mit dem KING-Titel in nächstes Zeit eben doch nichts.

Vieles gibt es zur Platte kaum noch zu sagen – Wer monotonen Punchline-Rap von Kollegah mag, wird hier bedient. Wer Fan von Genetikk ist oder nach Jahrtausenden einfach mal wieder Favorite hören möchte, wird bedient. Wer Casper mal wieder rappen hören will, wird bedient. Wer einen The Game in Höchstform hören will... Kauft eines seiner Alben. „KING“ ist eine grandiose Punchline-Platte, die allerdings nicht das verspricht, was Kollegah in der Promo versprach. Bis zum King dauert es noch ein paar Jahre, der Bizeps zum Regieren stimmt zumindest schon einmal.



Bester Track der Platte: Universalgenie

Wertung: 5 von 6 Sternen  



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Kein Mensch braucht Farid Bang auf einem Album. 

Donnerstag, 1. Mai 2014

Filmkritik: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

Nachdem ein gewisser Christopher Nolan DC mit drei Batman-Verfilmungen in den Comic-Olymo erhoben hat, muss Marvel antworten, um nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Mit den Avengers hat man ja schon ein gutes Mittel gefunden, um dagegen zu halten, aber da gab es ja auch noch diese eine kleine Spinne, die auch etwas gegen die Vormachtsstellung haben könnte. Diese geht als Andrew Garfield und dem endlich wieder erhaltenen Beinamen "Amazing" seit dem 17.04. in die zweite Runde. Deswegen ist heute "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" in der Kritik. Wer die Rezension in einer eigens produzierten Videoform haben möchte, kann gerne unter den Test auf den Link klicken um zum YouTube-Test zu gelangen.


Bei so einem bombastischen Action-Kino ist es fast jedes Mal wieder schade, wenn sich ein Regisseur mehr vornimmt, als es eigentlich braucht. Jeder, der Spider-Man im Kino ansieht, kennt so ungefähr die Geschichte des erfolglosen Fotografs Peter Parker (Andrew Garfield), der seit einem Spinnenbiss Netze aus den Händen schießen kann. Die Geschichten von seiner früheren Freundin Gwen Stacey (Emma Stone), seines treuen Weggefährten Harry (Dane DeHaan) und seines größten Fans, wenn er den blau-roten Anzug trägt, Marc Dillon (Jamie Foxx) aber nicht. Warum also versuchen, alle drei Story-Stränge miteinander zu verknüpfen? Dazu kommt noch die Idee, den Hauptcharakter über seine eigene Vergangenheit und den Tod des Vaters aufzuklären, was dem Geschehen eine weitere Ebene hinzufügt. Marc Webb will in "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" dem Zuseher einfach zu viel aus dem Comic-Universum der menschlichen Spinne mitgeben, ohne irgendeine Geschichte wirkliche zu Ende erzählen zu können.

Wie anfangs erwähnt, bleibt der Film natürlich ein Actionspektakel. Speziell in 3D merkt man, wie beeindruckend speziell die Momente sind, in denen Webb in Slowmotion filmen lässt und das Ganze trotzdem seine Dynamik nicht verliert, nur der spannenden Situation gedankt. Wenn Electro (Jamie Foxx) dann zum Kampf ruft, artet "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" in ein bildgewaltiges Spektakel aus.

Fazit
Marc Webb versucht einen geschickten Wechsel zwischen Action und Geschichte, was ihm dank der zu viel gewollten Story eher misslingt, So wirken über 2 Stunden, speziell für eine Comic-Verfilmung, etwas zäh. Wer nur ein wenig Action-Kino mit gekonnten One-Linern haben will, wird sich allerdings mit dem 3D-Spektakel trotzdem wohlfühlen.

Bewertung des Films: 7,5/10 Punkte


The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro - Infos 


Regisseur: Marc Webb
Mit:Andre Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx uvm.
Kinostart: 17. April 2014
Drehort: USA
Genre: Action, Fantasy
Länge: 142 Minuten
FSK ab 12 Jahren


Video erstellt am 01.05.2014 von TaCCreative. Bildmaterial aus Pressevideos von Sony Pictures. 
Instrumentalisierung von Ceipek (Hit the ground), 2014. 





Sonntag, 27. April 2014

Rap-Review - Ausgabe 2 - April 2014 - Rockstah, B.S.H, Mach One, Chaker

Rap ist, speziell in Deutschland, so facettenreich wie nie. Mehr als 10 neue Alben erwarten uns Monat für Monat - Und das nur über Labels, Free-Releases noch gar nicht gerechnet. Wer zu wenig Zeit oder Geld hat, sich jede LP zu kaufen, kann ab sofort auf mich vertrauen. Zumindest halbwegs. Ich gebe jeder Platte ihre gerechte Chance und eine Bewertung von 1 - 6 Sternen. Heute erwarten euch unter anderem die Platten von Mach One, Dr. Lucs, Rockstah, Chaker und Bass Sultan Hengzt aka B.S.H.

Mach One – M.A.C.H. (04.04.2014)


Gott, was für ein hässliches Cover. Und dennoch: Gott, was für eine geile Platte. Wer Meisterstück 2: Rock 'n' Roll cool fand, wird dieses Album .... Naja, wird er die LP mögen? Das Produzententeam haut ordentlich auf die Kacke dieses Mal, nur...anders. Viel düsterer. Ernster ist die Grundstimmung geworden. Kein Wunder, schließlich will Mach One sein altes Kreuzberg und seinen Gangsterrap zurückhaben. Daher gibt es, neben Nackenklatschern für Weekend, Lance Butters und Prinz Pi, die vielleicht ehrlichsten Songs, die wir 2014 bisher hören durften. Nur schade, dass die Drogenvergangenheit immer wieder herausbricht, egal ob nun in Form von Trailerpark oder Sunny aus dem Easy-Video von Cro, die als Anni nun ein Speedjunk ist. Was mit lustigen Anleihen auf Raop die Stimmung auflockern soll, zerstört sie. Ist aber Kritik auf hohem Niveau. Ich meine, er nennt Prinz Pi einen Bastard – Ist eigentlich Leichenschändung nach dem Antilopen-Track, aber von mir gibt’s keine Anzeige, keine Sorge.

Bester Track der Platte: Schlaflied
Wertung: 5 von 6 Sternen




Chaker – Ben Life (04.04.2014)

Ich hab ja schon recht lange überlegt, ihn einfach in "Keine zweite Zweile wert" zu packen. Ich mag Azzlacks eigentlich. Aber Chaker sollte sogar den krassesten Blockplatin-Freunden zu stumpf sein. Vor allem: Was er leider seinen Labelkollegen wie Olexesh nicht voraus hat - einen guten Flow. Und sind wir mal ehrlich: Niemand hört das doch für die originellen Texte. Was bleibt dann also noch übrig, wenn Chaker auf "Ben Life" die halbe Rap-Landschaft ficken will? Ein mehr als drittklassiges Album, welches in dieser Form eben schon mehrere Male besser gehört wurde. Dabei macht es beinah jeder seiner Feature-Gäste besser als er, allen voran Celo & Abdi, die gemeinsam mit Hafti auf "Citycode" wenigstens noch ein Highlight auf der Platte repräsentieren. Das macht den Braten im Nachhinein dann leider auch nicht mehr fett  und so bleibt Chaker leider hinter den 385ideal-Kollegen zurück. Immerhin Beats und Feats sind schön....auch wenn das diese monotone Stimme echt nicht wettmacht. 

Bester Track der Platte: Citycode feat. Haftbefehl, Celo & Abdi
Wertung: 2 von 6 Sternen



Rockstah – Pubertät (11.04.2014)


Och der Bub. Zwischen stumpfer Rebellion, Aufstand im Kuhkampf und Level 2 von Dark Souls dürfte Letzteres wohl das Spannendste für Rockstah gewesen sein. Die Jugendzeit ist ja recht eintönig verlaufen, wenn er jetzt erst in der Pubertät ist, mit fast 30 Jahr (...ist kein Diss, peilt das mal). Seine Musik passt zum Namen – Pop-Hooks auf Rockbeats, nerdige Parts, die zwischen Lebensweisheiten immer wieder süßes Geek-Anspielungen aufblitzen lassen und dennoch irgendwo berühren. Wenn der kleine Max zum Mond will, obwohl er im Kopf doch schon 100 Mal da war, zurückblickt als letzter Mensch auf die brennende Welt oder seine eigene kleine Sekte eröffnet, nur gemeinsam mit dem Traummädchen von nebenan - Dann kommt das schon äußerst nah an ein perfektes Album ran. Musikalisch astrein, technisch natürlich ausbaufähig – Aber scheiß halt auf Technik. Rockstah berührt mit seinen Aussagen („Mal mit Kreide Riesen auf Straßen / Spur der Verwüstung auf jeder Etage“ ist wunderschön!) und einer außergewöhnlichen Stimme. Wenn dann in der Hook nicht jeder Ton so richtig sitzt, dann täuscht er darüber mit pubertär-grimmiger, aber sympathischer Miene hinweg. Das neue Perfekt ist ja bekanntlich sowieso unperfekt, also sehen wir über ausbaufähige Gesangseinlagen mal hinweg. Hey Stan Lee, nimm mal dein Adoptivkind zurück – Ich hoffe, das ist nicht nur eine Phase!


Bester Track der Platte: Astronaut
Wertung: 5 von 6 Sternen


B.S.H – Endlich erwachsen (18.04.2014)

Während Rockstah endlich mal in die Pubertät kommt, ist Bass Sultan Hengzt grade aus dem Reifeprozess raus. Nach ungefähr 40 Indizierungen ist es schon dreist, plötzlich „erwachsen“ werden zu wollen. Vor allem, weil mir das so gar nicht wirkt, als wäre der Hengst mit Z irgendwie gereift – Nach Tracks mit Frauentausch-Andi und und Knutschattacke auf die arme Circus-Halligalli-Violetta. Raptechnisch scheint er auch nicht unbedingt älter geworden sein – Gott sei dank. Wir alle haben ihn doch irgendwie lieb, den B.S.H, dessen einzige Neuerung es auf „Endlich erwachsen“ nun ist, statt harten Battletracks nun Songs zu schreiben. So singt sich öfters mal Serk durch die Hook, statt Muttergeficke gibt’s seichte Yasha-Feats, und auch sonst wirkt das alles nach dem Reifeprozess, wie ihn sich Sido Ende 2013 bereits vorgestellt hat. Das ganze ist musikalisch zum Teil großartig gelungen und speziell die erste Hälfte der Platte lässt sich gut und gern loopen, bevor das Ganze dann irgendwie zu Einheitsbrei mutiert. Schade, dass sich bei allen Tracks ungefähr die Hälfte gleich anhört. Wirklich „schlecht“ wird „Endlich erwachsen“ dadurch nicht, aber leider auch nicht besser. Vielleicht beim nächsten Mal, ihr drei bestimmt tollen Künstler bei B.S.H!

Bester Track der Platte: HALT STOP! feat. Sido
Wertung: 3.5 von 6 Sternen

Keine zweite Zeile wert


JIFUSI – P.E.U.N.T

Inflabluntahz – Zurück ins Leben. Ich hatte nicht nur einen Lachkrampf beim Hören.

Kam was von FvN raus?

International Business

 … Ihr seid dran. Ich hatte diesen Monat kaum Zeit, vor allem nicht für Amirap, mit dem prinzipiell nicht so eng verbunden bin meist. Gabs da diesen Monat wen Cooles? Ich hab Chuck Inglish gehört, das fand ich übertrieben wack.

In stillem Gedenken...

... an Dr. Lucs, der deswegen hier ne fast ganze Review kriegt. Nur, da die Promo nicht existent war bei ihm, fand ich diese Kategorie doch passender.

Dr. Lucs – Den Frauen gewidmet (04.04.2014)
Weils so wunderschön ist. Wer „das Urteil“ sampled und persifliert, hat bei mir ja sowieso schon gewonnen, aber wie wunderschön sich Dr. Lucs durch sein Debüt trällert, das kann man nur mögen. Da ist keine Zeile konstruiert für den passenden Doppelreim, da ist nichts gekünstelt und durch den Autotune-Mixer geschreddert. SO REAL! Spaß beiseite, WSG ist schon eine kleine Goldgrube. Höhö. Mit Sickless und Dr. Lucs gibt’s da zwei Zugpferde, die besser rappen als die halbe VBT-Landschaft, zu der sie mal gehört haben. Mit „Horus“ hat sich ersterer bereits da rausgespielt (- und mittlerweile wieder rein, wegen diesem lächerlichen MOT), jetzt „Den Frauen gewidmet“ - Ich hab euch lieb Jungs. Das macht einfach Spaß beim Zuhören. Ich weiß, das sagt jetzt null über das Album aus, aber egal. Äh, Album ist gut geworden! Bloß das mit dem Promo machen solltet ihr üben, hat ja keine Sau mitbekommen, dass du eine neue Platte hast.

Bester Track der Platte: Tag ein, Tag aus feat. Das W 
Wertung: 4 von 6 Sternen

In stiller Selbstkritik...

Ich hab SadiQ nicht gehört, ES TUT MIR LEID! Soll nicht so wirklich gut gewesen sein, kann aber selbst kaum was darüber sagen. Nächsten Monat gibt’s dann wieder ALLES WAS ES GEBEN KANN hier... Vielleicht auch doch nicht, weil ich wieder keine Zeit hab, aber ich versuch mein Bestes. 

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Alle Künstler dieser Ausgabe hier zum Verfolgen: